Mehr Feiertage?

Mehr Feiertage!?

Noch ein Feiertag gefällig!? Schleswig-Holstein hat´s vorgemacht. Dort hat man künftig an jedem Reformationstag frei. Oder genauer: Freiraum zum Nachgedenken über Luthers Wiederentdeckung, dass Gott Vertrauen freisetzt. Andere hätten gerne jeden 18. März frei: Ein gleichnamiges Aktionsbündnis fordert seit Jahrzehnten, dass die Märzrevolution 1848 als wichtiger erster Schritt in Richtung deutscher Demokratie und Pressefreiheit wiederkehrend bedacht sein soll.

Einen weiteren Feiertag? „Können wir uns wirtschaftlich nicht leisten!“, sagen die einen. „Her damit!“, rufen andere: Weil der 31. Oktober tatsächlich ein geistesgeschichtlich wirksames Datum ist, eine freiheitliche Ordnung ein bedenkenswertes Gut darstellt oder „relaxen“ eben einfach guttut.

Stimmt! Aber Feiertage sollten vor allem erinnern, wo wir herkommen und was für uns Bedeutung hat. Deshalb ist es erstmal wichtig, die Feiertage, die wir haben, wahrzunehmen und zu leben. Karfreitag zu Beispiel: Da liebt einer leidenschaftlich und hält an mir fest, koste es, was es wolle. Es ist manchmal ein Kreuz mit uns für Gott, aber er erträgt uns. Und wie! Pfingsten fragt, aus welchem Geist wir eigentlich leben und was uns inspiriert. Und Ostern: Da feiern wir, dass das Leben weiterreicht als wir hier sehen können. Gott kann aus der schlimmsten Tiefe heraus Himmlisches eröffnen: für Jesus damals – und heute für die, die sich an ihn halten. Darauf können wir vertrauen! Was für ein Fest! Feiern wir´s! Dass wir frei haben, sind und bleiben – sogar über den Tod hinaus: Jeder Sonntag ist ein kleines Ostern.

Ein Mehr an Feiertagen? Das beantwortet nicht der Blick in Kalender und auf Umsatzzahlen, sondern die Überzeugung, was uns wichtig ist und was für kommende Generationen wichtig bleiben soll. Feiertage sind ein Statement: worauf wir im Leben und Zusammenleben setzen. Beim „Mehr“ kommt es nicht auf die Quantität an, sondern auf die Qualität, mit der wir sie füllen und leben.

Ja, nach den tollen Erfahrungen der letzten Jahre spricht für mich Vieles für einen dauerhaften Reformationsfeiertag. Vor allem aber wünsche ich mir, dass uns die Feiertage, die schon jetzt greifbar vor uns liegen, mehr zu Herzen gehen.

Norbert Mecke, Dekan des Ev. Kirchenkreises Melsungen